Blogpost vom 30.03.2013

Plädoyer für mehr Marktwirtschaft

Frisches Obst und Gemüse, selbstverständlich regional und saisonal. Eier, Fisch und Fleisch. Dazwischen Blumen, frisches Brot und die typischen „Leckereien“ vom Türken. Willkommen in der Marktwirtschaft, willkommen auf dem Wochenmarkt.

Bild einer Marktauslage

Ob Eier-Skandal oder falsch deklariertes Pferdefleisch – die Politik diskutiert über immer neue Kontrollen, neue „Siegel“ werden entworfen und eingeführt. Alles nur, damit der Verbraucher sich wieder sicher fühlen kann. Im Supermarkt gibt’s dann Fertig-Lasagne für 1,49 EUR oder ein halbes Huhn für unter 2 EUR – selbstverständlich mit mindestens einem passenden Gütesiegel plus dem Zusatz „keine künstlichen Zusatzstoffe“. Die genauen Inhaltsstoffe will man sich lieber gar nicht durchlesen.

Ist es tatsächlich möglich für den Preis gute Qualität zu produzieren? Liegt hier nicht das eigentliche Problem? Ich glaube ja.

Letztens habe ich es mal nicht rechtzeitig zum Einkaufen geschafft. Nicht so schlimm, dachte ich. Bei mir in der Nähe hat gerade ein großes Einkaufs-Center eröffnet und das hat Montag bis Samstag von 7 – 22 Uhr geöffnet. Einkaufserlebnis auf mehr als 3.500qm. Aufwendige Präsentationsformen, ausgefallene Beleuchtung, alles sieht frisch aus. Niedrige Regale ermöglichen eine großartige Sicht auf das riesige Sortiment, an den Wänden prangen großformatige Leinwanddrucke die dem Kunden zeigen, welche Straße sich in der Realität hinter der Wand verbirgt. Ich fahre also um kurz nach 21 Uhr los, kaufe schnell alles ein, was ich brauche und bin froh als ich wieder draußen bin. Zuhause sehen die Tomaten die im Laden noch so verheißungsvoll im Kunstlicht glänzten, schon gar nicht mehr so gut aus. Und die Mango, die ich gekauft habe, ist nach zwei Tagen an der Unterseite völlig vergammelt. Schade.

Nach meinem Reinfall war ich wieder auf dem Wochenmarkt. Rund 25 verschiedene Wochenmärkte und nochmals halb so viele Bauernmärke gibt es in Hannover. Die Produktpräsentation ist hier ebenfalls ansprechend, die Beleuchtung mehr als optimal. Die Sonne gibt schließlich ihr bestes. Ich bleibe stehen, begutachte das angebotene Gemüse. Dann kaufe ich Kartoffeln, Paprika etc. Die Bedienung am Gemüsestand ist freundlich: „Moin, was darfs denn sein?“. Keine vorgespielte Floskel-Freundlichkeit. Zwischen den einzelnen Ständen kann ich die Seitenstraßen einsehen. Lustig, das kenne ich doch irgendwoher, das war im 3.500qm-Shopping-Center auch so. Hier ist die Gestaltung aber besser gelungen. In der Mitte des Marktes befindet sich der Spielplatz, Kinderbetreung ist quasi auch inklusive. Nach dem Einkaufen trinke ich noch einen Kaffee und beobachte das Treiben. Danach fahre ich nach Hause – ganz entspannt.

Als ich zuhause die Einkäufe ausräume, haben Sie immer noch den gleichen Glanz wie auf dem Markt. Mit einer Ausnahme: von den Möhren bröckelt bereits etwas Erde. Für mich hat der Markt das, was Marketing-Menschen auf der ganzen Welt täglich versuchen zu kreiiren und von dem es heißt, Apple hätte es wie kein zweiter geschaft.

Ein Marktbesuch ist nicht nur ein Einkauf, ein Marktbesuch ist mehr. Ein Marktbesuch ist ein Erlebnis.

Sicherlich, am Ende habe ich etwas mehr bezahlt als beim Discounter um die Ecke. Doch gilt das auch, wenn ich die matschigen Tomaten und die vergammelte Mango in die Rechnung mit einbeziehe? Und unabhängig davon, ist es mir das nicht Wert, etwas mehr zu bezahlen und dafür zu wissen ob es sich um Rinder- oder Pferdewurst handelt? Ja, das ist es mir wert!

UPDATE (30.03.2013)

Habe gerade eine iPhone App entdeckt, die genau zum Thema passt. Hier kann man direkt in der App den nächsten Wochenmarkt finden (oder eintragen). Aktuell sind zwar noch sehr wenig Märke in Deutschland eingetragen aber das wird bestimmt noch. Mehr Infos gibt's auf der Internetseite von Farmstand oder direkt im App Store.

#Hashtag: Marktwirtschaft, Wochenmarkt, Globalisierung

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