Rad am Ring: 24 Stunden auf der legendären Nordschleife – der „Grünen Hölle“

Beitrag vom 28.07.2026 | Lesezeit wird berechnet...

Rad am Ring: 24 Stunden auf der legendären Nordschleife – der „Grünen Hölle“

In diesem Beitrag berichte ich von meiner ersten Teilnahme an Rad am Ring – dem 24-Stunden-Radrennen auf der Nordschleife des Nürburgrings, besser bekannt als die „Grüne Hölle“.

Inhalt:
Einleitung | Streckenprofil inkl. GPX-Datei | Rennbericht | Fotos & Video

Einleitung

In diesem Jahr gingen bereits zum dritten Mal in Folge mehrere Teams auf Einladung von linexo by WERTGARANTIE beim 24-Stunden-Rennen an den Start. Insgesamt waren fünf Teams gemeldet, bestehend aus Mitarbeitenden (z. B. ich) und Fachhandelspartnern aus der Fahrradbranche. Für mich hat es dieses Jahr erstmals auch zeitlich gepasst, sodass ich teilnehmen konnte.

Ich startete in einem 4er-Männerteam mit einem Altersdurchschnitt von über 40 Jahren – also in der Altersklasse „Masters 2“. Unser (inoffizielles) Ziel war eine Platzierung in den Top 10.

Dass ich Rad fahren kann, wusste ich. Sowohl lange Strecken als auch lange Anstiege waren mir vertraut, und auch das Fahren im Dunkeln war für mich nichts Neues. Neu war hingegen das Fahren im Team und auf einem Rundkurs.

Ich war gespannt und auch ganz schön aufgeregt. Gleichzeitig hatte ich richtig Bock – mal was ganz anderes.

Streckenprofil

Die Rad-am-Ring-Strecke kombiniert die rund 5 Kilometer lange Grand-Prix-Strecke mit der etwa 21 Kilometer langen Nordschleife – der legendären „Grünen Hölle“. Insgesamt ergibt sich eine Rundenlänge von gut 26 Kilometern mit rund 560 Höhenmetern und einer maximalen Steigung von bis zu 17 %.

Lediglich die erste und die letzte Runde weichen vom regulären Streckenverlauf ab. In der ersten Runde entfällt die Durchfahrt durch das Fahrerlager. Die letzte Runde endet nach der Nordschleife direkt auf der Start-Ziel-Geraden und führt nicht erneut über die Grand-Prix-Strecke, die in den vorherigen Runden für die Fahrerwechsel der 2er-, 4er- und 8er-Teams genutzt wird.

Route

 


Legende: rosafarbener Bereich = Wechselbereich, gestrichelte Linie = Rennstrecke

GPX-Datei herunterladen

Höhenprofil

Höhenprofil der Nordschleife auf dem Nürburgring (Rad am Ring)

Höhenprofil der Rad-am-Ring-Strecke mit der 5 km langen Grand-Prix-Strecke und der rund 21 km langen Nordschleife des Nürburgrings.

Rennbericht

Vorbereitung

Rennplanung 4er-Team linexo by WERTGARANTIE 1

Rennplanung 4er-Team linexo by WERTGARANTIE 1

Für die Teamplanung hatte ich eine Excel-Datei mit den erwarteten Durchschnittszeiten der Fahrer erstellt. Diese war so aufgebaut, dass wir alle Runden inklusive Start- und Zielzeiten simulieren konnten. Falls wir davon ausgingen, dass einzelne Runden schneller oder langsamer ausfallen würden, konnten wir diese Abweichungen entsprechend berücksichtigen. Zusätzlich waren Sonnenaufgang und Sonnenuntergang vermerkt.

Wir sind mit unserem stärksten (und auch mit Abstand jüngstem) Fahrer ins Rennen gestartet, um direkt in der ersten Runde vorne mitfahren zu können. Grundsätzlich sind wir in der Reihenfolge A, B, C, D gefahren. Während der Nacht haben wir den Wechsel angepasst und sind auf A, B, A, B, C, C, D, D umgestiegen, um die Pausenzeiten für die Fahrer zu verlängern.

Für meine eigene Verpflegung hatte ich folgenden Plan:

  • 40 Minuten vor dem Start: 2 Cornflakes-Marshmallow-Riegel (65 g Kohlenhydrate)
  • 5 Minuten vor dem Start: 1 Energy Gel (30 g Kohlenhydrate)
  • Während der Fahrt: Isopulver (40 g Kohlenhydrate) in der Trinkflasche
  • In den Pausen: Cola, Nudeln und weitere Verpflegung nach Bedarf

Darüber hinaus hatte ich keine spezielle Vorbereitung oder individuelle Rennplanung für mich. Mein Ansatz war, ruhig zu starten, nicht zu überziehen und konstant in meinem Leistungsbereich zu fahren.

Malte beim Aufwärmen auf der Rolle vorm Start auf die erste Runde
Malte beim Aufwärmen auf der Rolle vor dem Start in die erste Runde der „Grünen Hölle“.

Das Rennen

Als dritter Fahrer im Team ging es gegen 14 Uhr für mich auf die erste Runde. Ich war gespannt, was mich erwarten würde und wie es sich anfühlt, auf einer Rennstrecke unterwegs zu sein.

Schon nach kurzer Zeit hatte ich ein gutes Gefühl für den Asphalt, nicht zuletzt, weil ich am Vorabend bereits zwei bis drei Runden auf der Grand-Prix-Strecke gefahren war. Die größte Unbekannte auf der ersten Runde waren jedoch die Kurven der Nordschleife. Wie eng sind sie wirklich? Welche Linie ist die richtige? Wann kann ich Druck machen?

Am Ende hat alles hervorragend funktioniert. Mit einer Zeit von 49:10 Minuten wurde die erste Runde sogar meine schnellste des gesamten Rennens – mit einer einer Höchstgeschwindigkeit von 95,9 km/h in der Fuchsröhre.

Gegen 17:15 Uhr ging es für mich auf die zweite Runde. Diesmal wusste ich bereits, was mich erwarten würde, und konnte das Rennen deutlich entspannter angehen. Am Ende standen 51:07 Minuten auf der Uhr.

Fahrt in der Wechselzone und Vorbereitung der Flaschenübergabe an den nächsten
Fahrt durch die Wechselzone und Vorbereitung der Flaschenübergabe an den nächsten Fahrer.

Auch die dritte Runde, in die ich um kurz vor 21 Uhr startete, verlief solide. Mit einer Zeit von 50:45 Minuten war ich konstant unterwegs und konnte das Tempo über den gesamten Stint gut halten. Anschließend erfolgte er Wechsel auf A, B, A, B und ich hatte bis kurz vor 2 Uhr in der Nacht Zeit bevor ich in meine Doppelrunde starten musste.

Nach einer kurzen Dusche, einigen Gesprächen mit der anderen „Pausenkollegen“ und einem Teller Nudeln versuchte ich etwas zu schlafen, was mir aber nicht gelang.

Da ich durch meine Bikepacking-Touren bereits häufiger nachts und im Dunkeln gefahren war, hielt sich meine Aufregung vor dem Nachtstint in Grenzen. Ich ging mit der gleichen Gelassenheit auf die Strecke wie bei den vorherigen Runden. Lediglich aufgrund des Doppelstints nahm ich mir vor, das Tempo etwas kontrollierter anzugehen.

Als Frontlicht hatte ich mich für die Lezyne Mega Drive mit 2.400 Lumen entschieden – eine absolut richtige Wahl. Selbst in den schnellen Abfahrten hatte ich jederzeit ausreichend Licht und fühlte mich sicher. Dass die Beleuchtung mehr als ausreichend war, zeigte sich auch daran, dass ich meine zweitschnellste Abfahrt des gesamten Rennens ausgerechnet in der zweiten Nachtrunde fuhr.

Die beiden Runden beendete ich in 54:00 beziehungsweise 54:58 Minuten.

Nachdem ich gegen 3:30 Uhr wieder im Fahrerlager angekommen war, hatte ich eigentlich geplant, die Zeit bis zu meinem nächsten Einsatz gegen 7:30 Uhr für etwas Schlaf zu nutzen. Tatsächlich gelang mir das jedoch erneut nicht – obwohl ich inzwischen wirklich müde und erschöpft war.

Im Nachhinein überrascht mich das allerdings nicht. Es ist eben – zumindest für mich – etwas anderes, allein irgendwo in der Natur zu schlafen oder sich mit 15 anderen Fahrern ein Zelt zu teilen, während draußen das Rennen ununterbrochen weiterläuft, aus jedem Zelt andere Musik zu hören ist und das Licht der Rennstrecke die ganze Nacht das Zelt erleuchtet.

Meine vorletzte Runde startete gegen 7:30 Uhr. Mental war sie für mich die zäheste des gesamten Rennens. Der fehlende Schlaf machte sich inzwischen deutlich bemerkbar. Gleichzeitig musste ich mich weiterhin kontrollieren, um nicht zu überziehen, und dennoch versuchen, die Leistung möglichst konstant zu halten.

Trotzdem machte das Fahren nach wie vor großen Spaß. Ehe ich mich versah, war auch diese Runde nach 55:01 Minuten bereits wieder vorbei.

Nachdem es seit dem Rennstart nahezu windstill gewesen war, nahm der Wind seit den frühen Morgenstunden kontinuierlich zu. Bis zum Mittag wurden Böen von bis zu 60 km/h aus südwestlicher Richtung erreicht. Das bedeutete vor allem Gegenwind auf der Döttinger Höhe – dem langen Schlussanstieg beziehungsweise der letzten Geraden der Nordschleife – und machte die ohnehin kräftezehrenden letzten Kilometer noch anspruchsvoller.

Platz 8 in der AK Masters 2 bei Rad am Ring 2026 für Team linexo by WERTGARANTIE

Platz 8 in der AK Masters 2 für Team linexo by WERTGARANTIE 1

In meine letzte Runde startete ich gegen 11 Uhr und versuchte, noch einmal alles aus mir herauszuholen. Das gelang mir allerdings nur bedingt – nicht zuletzt wegen des inzwischen deutlich stärkeren Windes. Erstmals im Rennen musste ich in einigen Abfahrten bremsen, und auf der Döttinger Höhe war ich trotz vergleichbarer Wattwerte rund 10 km/h langsamer als in den vorherigen Runden.

Nach 56:05 Minuten erreichte ich schließlich wieder das Fahrerlager. Damit endete mein Beitrag zum Rennen nach einer Nettofahrzeit von insgesamt 6:11:18 Stunden und ich übergab den „Staffelstab“ an unseren letzten Fahrer, der die Schlussrunde und die Zieleinfahrt für unser Team übernahm.

Am Ende belegten wir mit 28 Runden und einer Zeit von 24:18:51 Stunden den 62. Platz in der Gesamtwertung und in der Altersklasse Master 2 den 8. Platz. Ziel erreicht.

Analyse

Die Leistungsdaten zeigen, dass ich das Rennen über die sieben Runden sehr konstant gepaced habe. Bei einer durchschnittlichen Leistung von 207 Watt und einer Normalized Power von 232 Watt lag meine Belastung genau in einem Bereich, den ich über viele Stunden kontrolliert halten konnte. Im Rennen selbst habe ich mich dabei vor allem auf mein Körpergefühl verlassen und den Wattmesser nur ergänzend genutzt, da ich erst seit rund vier Wochen überhaupt mit Wattmesser fahre. Die Daten bestätigen im Nachhinein jedoch, dass mein Gefühl für die Belastung und meine Renneinteilung sehr gut funktioniert haben.

Mein Tipp: Nicht überziehen – ein 24-Stunden-Rennen gewinnt man nicht in der ersten Runde, sondern durch konstante Leistung über die gesamte Renndauer. Die Zeit, die man am Anfang „gewinnt“, kann man später durch Überpacen schnell wieder verlieren. 😉

Der Leistungsrückgang von 233 Watt in der ersten auf 192 Watt in der letzten Runde ist angesichts von über sechs Stunden Nettofahrzeit, zwei Nachtrunden, fehlendem Schlaf und zunehmender Ermüdung völlig normal. Entscheidend für mich ist, dass es keinen wirklichen Einbruch gab und ich die Belastung über das gesamte Rennen hinweg gut steuern konnte. Auch der durchschnittliche Variability Index von 1,12 zeigt, dass ich die Leistung gut dosiert und unnötige Spitzen vermieden habe.

Runde Dauer Watt NP VI
1 0:49:10 233 254 1,09
2 0:51:07 224 245 1,09
3 0:50:57 208 238 1,14
4
5
0:54:00
0:54:58
204
192
227
216
1,11
1,13
6 0:55:01 198 221 1,12
7 0:56:05 192 222 1,16
Ø 0:53:03 207 232 1,12

Legende: NP = Normalized Power, VI = Variability Index

Ein weiterer entscheidender Faktor war die Verpflegung. Mit rund 90 g Kohlenhydraten pro Stunde während der Fahrt sowie zusätzlichem Essen, insbesondere in den längeren Pausen, hatte ich über die gesamte Renndauer ausreichend Energie zur Verfügung. Ich hatte keinerlei Magenprobleme und konnte die Verpflegung durchgehend gut aufnehmen, wodurch ich bis zum Ende leistungsfähig blieb.

Fazit

Für mich war Rad am Ring eine komplett neue und tolle Erfahrung. Vielleicht war es die Mischung aus der besonderen Strecke und der Kombination aus Einzelleistung und Teamgefüge, die dieses Rennen so besonders gemacht hat. Es gab müde Phasen, schlaflose Stunden und harte Kilometer, aber trotzdem hat jede einzelne Runde Spaß gemacht. Gleichzeitig waren wir ein starkes Team, das perfekt funktioniert hat und ohne das ein solches Rennen nicht möglich gewesen wäre.

Mein 4er-Team beim 24h-Radrennen: Kai, Malte, Stephan und Levente (v. L.)
Mein 4er-Team beim 24h-Radrennen: Kai, Malte, Stephan und Levente (v. L.)

Vielen Dank an Kai, Stephan und Levente dass ich Teil des Teams sein durfte. Und an alle anderen Kollegen und Partner für dieses gemeinsame Erlebnis. Und natürlich vielen Dank an linexo by WERTGARANTIE. Es war mir eine Freude!

Fotos

 

Video vom Start des 24h-Radrennen

 

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