Durch die Nacht: Mit dem Fahrrad zur EUROBIKE 2025 nach Frankfurt

Beitrag vom 28.06.2025 | Lesezeit wird berechnet...

Durch die Nacht: Mit dem Fahrrad zur EUROBIKE 2025 nach Frankfurt

In diesem Beitrag berichte ich von meiner Nachfahrt mit dem Fahrrad von Paderborn nach Frankfurt am Main – über das Besondere am Fahren in der Nacht und darüber, welche Unterschiede es beim Equipment und Mindset zu einer Tour bei Tageslicht gibt.

Inhalt:
Route | Bericht | Fotos | Equipment

Route

Los ging es in Paderborn am Hauptbahnhof und dann auf rund 230 Kilometern bis nach Frankfurt am Main. Das erste Drittel war geprägt von hügeligen Landschaften durch Felder und kurze Waldstücke. Im zweiten Drittel ging es tendenziell leicht bergab und immer wieder durch kleinere Dörfer. Das letzte Drittel wurde es wieder etwas hügeliger und die Route führte zunehmend durch Ortschaften. Gefahren bin ich, bis auf ganz wenige Ausnahmen, auf Asphalt. Entweder auf Landstraßen oder auf Radwegen.

 

Legende: Schwarze Linie = Sonnenuntergang/Sonnenaufgang, dunkle Fläche = absolute Dunkelheit

Höhenprofil

Höhenprofil der Tour Paderborn – Frankfurt am Main

Höhenprofil der Tour Paderborn – Frankfurt am Main

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Tourbericht

Sonnenuntergang kurz nach Paderborn auf dem Weg nach Frankfurt
Sonnenuntergang kurz nach Paderborn auf dem Weg nach Frankfurt

Meine Tour startete am Mittwochabend, kurz nach 19 Uhr, mit der S-Bahn 🚉 von Hannover nach Paderborn, wo ich mit etwas Verspätung gegen 21 Uhr angekommen bin. Richtig los ging es dann am Hauptbahnhof in Paderborn. Von Anfang an führte die Strecke leicht bergauf und schon nach kurzer Zeit begann die Sonne schräg hinter mir unterzugehen – perfekt, um nicht geblendet zu werden.

Meinen ersten (unfreiwilligen) Stopp machte ich allerdings schon nach wenigen Minuten Fahrzeit. Um in der Nacht nicht auf Tankstellen etc. angewiesen zu sein, hatte ich mir neben den zwei Flaschen im Rahmendreieck noch zwei weitere Flaschen hinter dem Sattel montiert – von denen sich jedoch eine schon bei der ersten Bodenwelle verabschiedete. Ich stellte also die Flaschenhalterung etwas steiler ein, in der Hoffnung, dass die Flaschen besser halten würden. Später sicherte ich sie dann zusätzlich mit einem Gummiband. Mein komplettes Setup findest du weiter unten im Beitrag.

Danach ging es auf überwiegend leeren Landstraßen weiter. Die Sonne ging langsam hinter mir unter, und gegen 22 Uhr schaltete ich mein Vorderlicht ein. Bin ich noch bei Temperaturen um die 25 Grad gestartet, sanken diese nun langsam ab. Als es gegen 23 Uhr dunkel war, lagen sie bei etwa 18 Grad. Die Straßen wurden mit der Zeit immer leerer und spätestens auf Höhe von Marsberg, östlich vom Naturpark Diemelsee, waren die Straßen komplett leer. Nur ganz vereinzelt überholte ein Auto. Eine ganz besondere Ruhe und Stille. Die Vögel waren längst verstummt und außer dem Rollen der eigenen Reifen war absolut nichts zu hören. Ich hatte inzwischen rund 50 Kilometer zurückgelegt – beim Navi stand bei der Restdistanz also schon eine 1 am Anfang. 😛

Das letzte Sonnenlicht am Horizont
Das letzte Sonnenlicht am Horizont

Zugegeben, ich war vor der Tour schon etwas gespannt was mich erwartet. Natürlich war ich schon unzählige Male im Dunkeln mit dem Rad unterwegs gewesen – ob früh morgens oder abends im Herbst oder Winter. Aber die Erfahrung, eine ganze Nacht durchzufahren und Sonnenuntergang sowie Sonnenaufgang zu erleben, hatte ich noch nicht. Auch nicht, wie sich Müdigkeit und Konzentration in der Dunkelheit bei körperlicher Anstrengung anfühlen. Aber es lief alles gut und es war eine tolle Stimmung. Die sich verändernde Landschaft wahrzunehmen – mit immer weniger äußeren Reizen – war beeindruckend. Erst um kurz nach Mitternacht war auch der letzte Helligkeitsschimmer am Horizont verschwunden. Jetzt war es wirklich dunkel. Über mir nur abertausende Sterne und wenn ich durch Waldstücke fuhr nur absolutes Schwarz. Und nur die wenigen Meter direkt vor einem beleuchtet. Aber ich fühlte mich richtig wohl. Manchmal hörte ich etwas im Unterholz knacken oder einen Nachtvogel ein Geräusch von sich geben. 🖤

Die Temperaturen waren inzwischen bei rund 12 Grad angekommen. Ich hatte Bein- und Armlinge, Buff, Regenjacke und Handschuhe angezogen. An den Anstiegen immer etwas zu warm, in den Abfahrten genau richtig. So ging es, nach klassischen Gesichtspunkten wenig spektakulär, durch die Nacht. Immer wieder passierte ich kleinere Orte nur um direkt danach erneut in die Dunkelheit einzutauchen.

Gegen 3 Uhr tauchte am Horizont der erste, schwache Lichtschein auf – die Nacht neigte sich ihrem Ende zu. Gegen 3:30 Uhr passierte ich Marburg, wo das Nachtleben noch in vollem Gange war und Tankstellen, Dönerläden 🥙 und Co. noch geöffnet hatten.

Von nun an wurde es deutlich heller. Gegen 4:30 Uhr brauchte ich mein Licht nur noch, um gesehen zu werden. Was ich nun allerdings auch sehen konnte: vor mir zogen dicke Regenwolken auf und schon Minuten später fing es schlagartig an zu regnen. Die zuvor herrschende Windstille verwandelte sich in einen derart starken und böigen Wind, dass ich beide Hände an den Unterlenker nehmen musste, um das Fahrrad stabil auf der Straße zu halten. Jetzt merkte ich, dass Trinkflaschen und Rahmentasche die Angriffsfläche deutlich vergrößerten. So schnell wie Regen und Wind gekommen waren, hörten sie auch wieder auf – und auch ich war recht schnell wieder getrocknet.

Skyline von Frankfurt am Main über den Feldern kurz hinter Ober-Erlenbach

Skyline von Frankfurt am Main über den Feldern kurz hinter Ober-Erlenbach

Nach einer knappen weiteren Stunde Fahrt konnte ich am Horizont erstmals die Skyline von Frankfurt sehen. Nun war es nicht mehr weit. Mit meinen 3,8 Litern Wasser und rund 500 Gramm Kohlenhydraten war ich bislang ohne Nachfüllen gut durch die Nacht gekommen. Jetzt hatte ich noch gute 500 ml übrig – das sollte für die letzten 25 Kilometer reichen.

Nachdem es die letzten Kilometer ab Frankfurter Berg durch die City ging, kam ich gegen 7 Uhr am Main in Frankfurt an. Ziel 🏁 erreicht. Meine Klamotten hatte ich diesmal vorab einem Kollegen mitgegeben und nicht – wie beim letzten Mal – an eine Packstation geschickt.

Mein Tipp: Nutze Packstationen von DHL, um Kleidung oder Ausrüstung an den Zielort deiner Tour zu schicken. Pakete 📦 bleiben dort bis zu sieben Kalendertage abrufbar. So kannst du entspannt fahren, ohne alles mitnehmen zu müssen. Für längere Touren: Packe eine fast leere Klebebandrolle ins Paket. So kannst du die alten Sachen direkt tauschen, das Paket neu verschließen und zurücksenden. Praktisch und flexibel!

Frisch geduscht, mit ordentlichem Hotelfrühstück gestärkt – ich glaube, es waren vier Brötchen und drei Croissants – war ich um kurz nach 10 Uhr auf dem Messegelände.

Zwei Tage später, am Samstagmittag, ging es dann mit dem Zug zurück nach Hildesheim. Nicht nach Hannover? Nee, da waren leider die wenigen Fahrradstellplätze schon ausgebucht.

Fazit

Für mich eine super Erfahrung und definitiv zu empfehlen. Absolute Stille und Konzentration aufs Fahren. Und die Straßen gehören dir! Was ist wichtig? Natürlich Front- und Rücklicht mit ausreichend Akku und ggf. Ersatzakku. Und, das hat sich zumindest bei mir bewährt, ausreichend Trinken um möglichst unabhängig zu sein.

Die Strecke war super und aufgrund der Nachtfahrt sicherlich gut zu fahren. Und das obwohl überwiegend auf Landstraßen. Würde ich die selbe Route auch am Tag wählen? Vermutlich nur in Teilen.

Fotos

Einige Bilder vom Start in Paderborn, dem Sonnenuntergang und Sonnenaufgang sowie der Ankunft in Frankfurt. Außerdem ein Bild aus dem ICE auf der Rückfahrt nach Hildesheim.

 

Equipment

Mein Setup war dieses Mal sehr übersichtlich, da ich nur das dabei hatte, was ich auf der Fahrt glaubte zu benötigen. Und das Equipment hat sich auch super bewährt. Zumindest was die einzelnen Dinge angeht. Was ich anders/besser machen würde? Trinkflaschenhalter im Rahmendreieck mit seitlicher Entnahme und die Trinkflaschen hinterm Sattel von Anfang an mit einem Gummi befestigen.

Unterwegs war ich mit einem Specialized Crux Gravelbike (diverse Umbauten) mit 35mm Reifen und Gravellenker.

Am Körper

Am Fahrrad

  • 4 Flaschen á 650ml (2 im Rahmen, 2 hinterm Sattel)
  • Frontlicht (Lezyne 115 Pro)
  • Rücklicht (Bontrager Flare R)
  • Navigation (Wahoo Elemnt Roam V2)

Ortlieb Oberrohrtasche (3 Liter)

KZRZ Lenkerrolle (ca. 1,5 Liter)

  • Mini-Stativ
  • Kabelschloss
  • Werkzeug (Ersatzschlauch, Flickzeug, Kettenschloss, Multitool, Luftpumpe, Schaltauge, Kettenwachs)

Weitere Links

#roadtolinexo: Overnighter von Hannover nach Frankfurt zur EUROBIKE 2024

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